Zuspruch

eisenhüttenstadt 3zu2

Als ich letztes Wochenende meine alte Stehlampe auf den Dachboden bringen wollte, traf ich da oben die junge Nachbarin aus dem ersten Stock. Sie stand am Fenster, bereit zu springen. Ich konnte sie in ein Gespräch verwickeln, und nach einigem Zögern erzählte sie mir die ganze traurige Geschichte ihres Lebens. Ich hätte natürlich gern ein freundlicheres Licht auf einzelne Ereignisse geworfen, aber was sie mir erzählte war so schrecklich, dass mir nichts einfiel, was sie hätte aufmuntern können. Schließlich musste ich zugeben, dass mir ihre Lage ziemlich hoffnungslos schien und ich beim besten Willen keinen Ausweg sehen konnte. Meine Nachbarin seufzte erleichtert. Dann drückte sie mir dankbar die Hand und sprang aus dem Fenster. Die Stehlampe habe ich übrigens wieder mit in meine Wohnung genommen. Sie steht jetzt neben der Kommode im Schlafzimmer.