Tabletten

berlin pberg 3zu2

Meine Nachbarin war über 80, sie hatte Krebs im fortgeschrittenen Stadium und konnte sich kaum mehr bewegen. Als ich eines Abends nach Hause kam, stand der Leichenwagen vor der Tür. Mit Tränen in den Augen erklärte mir Herr W., der im ersten Stock wohnt und der alten Dame sehr nahe gestanden hatte, dass sie sich mit einer Überdosis Schlaftabletten das Leben genommen habe. Zu meiner Überraschung überreichte er mir ein kleines Päckchen, das die Nachbarin mir hinterlassen hatte. Ich ging damit in meine Wohnung und öffnete es in der verschämten Hoffnung, es wäre vielleicht Geld oder wertvoller Schmuck darin. Es enthielt aber nur zwei Packungen Schlaftabletten, eine davon angebrochen, und einen Brief mit folgendem Wortlaut: „Lieber Herr Nachbar, leider habe ich Ihnen nur eine kleine Bitte zu hinterlassen. Tun Sie mir den Gefallen und entsorgen Sie die restlichen Tabletten. Ich möchte nicht, dass Herr W. sie nach meinem Tod findet, sonst kommt er mir am Ende noch hinterher.“